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Neue interaktive Karte zu Hannovers Untergrund: Mit der Stadtbahn durch 170 Millionen Jahre Erdgeschichte

04.06.2019


Wer von uns träumt nicht von einer Zeitreise? Einer Reise in die Vergangenheit, durch mehrere hundert Millionen Jahre Erdgeschichte? Die Stadtbahn von Hannover macht es möglich. Das zeigt eine neue interaktive Karte des Geozentrums mit Erläuterungen zu 10 exemplarischen Haltestellen.

Fahrgäste, die mit der Stadtbahnlinie 7 in Misburg starten, unterirdisch am Kröpcke in die 9 umsteigen und bis nach Empelde weiterfahren, durchqueren in 55 Minuten 170 Millionen Jahre. Sie reisen durch das Erdmittelalter, als Norddeutschland noch unter Wasser lag. Damals war das Klima hier meist tropisch, und im warmen Meer lebten unter anderem Haie, Fischsaurier, Seeigel, Korallen, Muscheln und Schnecken.

Inzwischen schlummern ihre Reste verborgen im Untergrund. Dazu zählen Fossilien wie Ammoniten und Belemniten – ehemalige Meeresbewohner, die es heute nicht mehr gibt. Sie haben das große Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren nicht überlebt. Viele von ihnen sowie weitere Fossilien wurden beim Bau der Stadtbahn geborgen und ruhen sich jetzt in einer der deutschlandweit größten geowissenschaftlichen Sammlungen im Geozentrum Hannover aus. Mit ihrer Hilfe können geologische Schichten zeitlich eingestuft werden. So bildeten sie eine der Grundlagen für die Erstellung der Stadtkarte Hannover, die in einer vereinfachten Form zur vorliegenden interaktiven Karte durch zwei Geomatik-Auszubildende der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) umgestaltet wurde.

„Wir lassen uns buchstäblich in die Karten schauen, indem wir die verborgenen geologischen Schichten ans Tageslicht holen und die damalige Lebewelt aktivieren. Spannend ist dabei, dass Hannover eine sehr vielfältige Geologie hat“, sagt Projektleiterin Dr. Carmen Heunisch vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Mit der neuen Karte können sich Interessierte jetzt online einen Überblick darüber verschaffen, in welchem Zeitalter sich die einzelnen Haltestellen befinden und welche Pflanzen und Tiere dort lebten. So hält die Stadtbahn am Kröpcke mitten in der „Oberkreide“. Die umgebenden Gesteinsschichten sind rund 85 Millionen Jahren alt. Damals war es sehr warm und es wurde sehr viel Plankton produziert, das sich zu mächtigen Kalkschichten ablagerte. Auf diesen Schichten stehen inzwischen unsere großen Einkaufszentren. Vom Kröpcke zum Waterloo-Platz sind es nur zwei Stationen, aber es werden durch geologische Störungen 47 Millionen Jahre Erdgeschichte zurückgelegt. In der Station Waterloo befinden sich die Fahrgäste in der „Unterkreide“ vor 132 Millionen Jahren. Das Meer wurde von zahlreichen tintenfischartigen Kopffüßern (Ammoniten, Belemniten) bevölkert.

Wer die Zeitreise bis zum Endpunkt in Empelde durchhält, trifft auf eine Landschaft wie am heutigen Toten Meer. Hier existierte vor 255 Millionen Jahren eine lebensfeindliche Umwelt. Es gab sehr flache Lagunen, aus denen sich in „nur“ wenigen Millionen Jahren Hunderte von Metern Salz abschieden – Salz, das später im ehemaligen Kalisalzbergwerk Hansa in Empelde gewonnen wurde.

Zur interaktiven Karte

Ammoniten: Gruppe von marinen Kopffüßern, die das große Aussterben vor 66 Millionen Jahren nicht überlebt haben. Sie sind mit den Tintenfischen verwandt. Sie sind als Fossilien beliebt und werden häufig mit Schnecken verwechselt.

Belemniten: Gruppe von marinen Kopffüßern, die das große Aussterben vor 66 Millionen Jahren nicht überlebt haben. Sie sind mit den Tintenfischen verwandt. Aufgrund der langgestreckten Form werden ihre Gehäuse auch als „Donnerkeile“ bezeichnet.

Großes Aussterben: Erdgeschichtlich gibt es mehrere Aussterbeereignisse. Vor 66 Millionen Jahren starben – wahrscheinlich durch einen Meteoriteneinschlag – mehr als 60 % aller Arten, darunter auch die Dinosaurier.

Fossil: Umgangssprachlich auch Versteinerung. Ein Fossil ist ein Überrest vergangenen Lebens von mehr als 10.000 Jahren.

Geologische Störung: Eine strukturelle Veränderung des Gesteinsverbandes. Durch eine Störung können beispielsweise ältere über jüngeren Gesteinsschichten liegen.


Pressekontakt: Heinke Traeger, Tel.: 0511 643 2274, Björn Völlmar, Tel.: 0511 643 3086

E-Mail: presse@lbeg.niedersachsen.de, Internet: http://www.lbeg.niedersachsen.de


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