Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie klar

GeoBerichte 11

Radioaktives Cäsium in Waldböden Niedersachsens - 20 Jahre nach Tschernobyl

Im Rahmen des niedersächsischen Boden-Dauerbeobachtungsprogramms hat die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt zwischen 1992 und 2004 in der Humusauflage und im Mineralboden von 20 Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF-F) und sechs angegliederten Untersuchungsflächen Radiocäsium (Cs-137, Cs-134) gemessen.

Diese Radionuklide stammen überwiegend aus dem Unfall im Kernkraftwerk in Tschernobyl und zu geringen Teilen aus den oberirdischen Kernwaffenversuchen bis Mitte der 60er Jahre. Der radioaktive Fallout von Tschernobyl wurde in Abhängigkeit von der Baumart, dem Bestockungsgrad, der Höhenstufe und den jeweiligen Niederschlagsereignissen zum Zeitpunkt des Durchzugs der radioaktiven Wolke in niedersächsischen Wäldern deponiert.

Insgesamt ist die Radiocäsiumbelastung mit Cs-137-Gesamtinventaren von 4 000-10 000 Bq/m2 (zerfallskorrigiert, 1. 5. 1986) und nur punktuell höheren Werten von bis zu 18 000 Bq/m2 in Niedersächsischen Waldböden im Vergleich zu süddeutschen Standorten (bis 150 000 Bq/m2) gering. Im Boden von mit Nadelbäumen bestockten BDF-F werden höhere Aktivitäten als auf mit Laubbäumen bestockten Flächen gefunden. Weiterhin konnten mit der Höhenstufe ansteigende Radiocäsiuminventare gefunden werden. Im Boden aller BDF-F hat die Radiocäsiumbelastung im Untersuchungszeitraum abgenommen, was fast ausschließlich auf den radioaktiven Zerfall zurückzuführen war. Nur im Boden einer BDFF mit hohen pH-Werten und hoher biologischer Aktivität konnte eine höhere nicht zerfallsbedingte Abnahme der Aktivität gefunden werden.

Radiocäsium befindet sich in Waldböden fast ausschließlich in der Humusauflage und im oberen humosen Mineralbodenhorizont. In tonmineralreichen Böden konnte der Hauptteil bis in 10 cm Tiefe, in Sand- und Moorböden bis in maximal 20 cm Tiefe gefunden werden. In Böden mit hohen pHWerten und einer hohen biologischen Aktivität, z. B. in Folge einer Kalkung, konnte eine geringere Verlagerung von Radiocäsium in die Tiefe gefunden werden. Eine Kontamination des Grundwassers mit Radiocäsium kann damit derzeit ausgeschlossen werden.

GeoBerichte 11: Radioaktives Cäsium in Waldböden Niedersachsens - 20 Jahre nach Tschernobyl

GeoBerichte 11: Radioaktives Cäsium in Waldböden Niedersachsens - 20 Jahre nach Tschernobyl

Radioaktives Cäsium in Waldböden Niedersachsens - 20 Jahre nach Tschernobyl

 GeoBerichte 11
(PDF, 0,59 MB)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Heinrich Höper

Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
Stilleweg 2
30655 Hannover
Tel: +49-(0)511-643-3265
Fax: +49-(0)511-643-533265

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