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erstellt am:
05.05.2026
Wie der Untergrund tief unter unseren Füßen aufgebaut ist, darüber liefert das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mittlerweile umfangreiche dreidimensionale Daten. Zum Beispiel mit dem Übersichtsmodell des tieferen Untergrundes von Niedersachsen und Bremen (TUNB3D-NI) oder mit dem gerade erst veröffentlichten und viel beachteten Modell der Quartärbasis. Doch um die tiefen geologischen Schichten genau zu verstehen und gezielt zu nutzen – zum Beispiel für Geothermie –, benötigt man Auswertungen seismischer Daten. Dafür stellt das LBEG jetzt das Modell „TUNB Velo 2.0-NI (2026)“, ein dreidimensionales Modell der seismischen Geschwindigkeiten im Untergrund, für Niedersachsen und Bremen zur Verfügung.
Seismik funktioniert – vereinfacht gesagt – ähnlich wie Echoortung. Doch während es bei Ultraschall in der Medizin um die Untersuchung von inneren Organen geht oder aber sich Fledermäuse mittels reflektierter Ultraschallrufe im Dunklen orientieren, erkennt man mittels Seismik geologische Schichten und Formationen im Untergrund. Ob fester Fels, lockere Sedimente oder wasserführende Schichten, bei seismischen Untersuchungen breiten sich die Wellen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aus und werden entsprechend reflektiert. Da in der Seismik die Laufzeiten der Wellen gemessen werden, ist es der entscheidende Schritt, diese unter Verwendung der Geschwindigkeiten in tatsächliche Tiefenlagen umzurechnen. Dafür liefert das LBEG nun ein flächendeckendes Geschwindigkeitsmodell im großräumigen Maßstab.
„Wir haben schon zahlreiche Nachfragen“, verrät Dr. Jennifer Ziesch, die beim LBEG das norddeutschlandweite Projekt für Niedersachsen leitet. Gerade Geophysiker würden sich von dem Modell eine große Unterstützung bei ihrer Arbeit erhoffen. Dabei sind solche Modelle nicht nur für die Forschung wichtig, sondern haben auch praktische Anwendungen. Sie helfen beispielsweise bei der Erkundung für Geothermie-Projekte, in der Seismologie zur Berechnung von Laufzeiten von Erdbebenwellen oder bei der Umwandlung seismischer Daten vom Zeit- in den Tiefenbereich.
In dem vierjährigen Verbundvorhaben TUNB Velo 2.0 (Tieferer Untergrund Norddeutsches Becken Velocity 2.0) haben mehrere Staatliche Geologische Dienste dabei zahlreiche Daten zusammengetragen und ausgewertet. Unter der Federführung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover haben die Staatlichen Geologischen Dienste Mecklenburg-Vorpommerns, Niedersachsens, Sachsen-Anhalts und Schleswig-Holsteins jeweils die Festlandgebiete ihrer eigenen Bundesländer bearbeitet, während die BGR den deutschen Teil der Nordsee übernommen hat.
Das Modell „TUNB Velo 2.0-NI“ bildet für weite Teile Niedersachsens und Bremens die Geschwindigkeitsverhältnisse von Zechsteinformationen in mehreren tausend Metern Tiefe bis hin zur Geländeoberkante ab und liefert damit eine wichtige Grundlage für zahlreiche geowissenschaftliche Fragestellungen. „Wir haben aus bestehenden geologischen Übersichtsmodellen ein Volumenmodell mit 14 lithostratigraphischen Horizonten, Salzstrukturen und Störungen erstellt, in dem die Geschwindigkeiten hinterlegt sind“, erklärt Jennifer Ziesch. Das 3D-Geschwindigkeitsmodell ist in insgesamt 19 Modellkacheln gegliedert.
TUNB Velo 2.0-NI ist über den NIBIS®-Kartenserver des LBEG öffentlich zugänglich. Dort können Nutzerinnen und Nutzer die Daten mithilfe eines 3D-Viewers interaktiv erkunden. Darüber hinaus stellt das LBEG die Geschwindigkeitsmodelle auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung – sowohl als Intervallgeschwindigkeiten im Tiefenbereich als auch als Durchschnittsgeschwindigkeiten im Zeitbereich. Somit steht das Modell nicht nur Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Behörden zur Verfügung, sondern auch allen weiteren Interessierten. Es bietet eine verlässliche Datengrundlage für unterschiedlichste Anwendungen im Bereich der Untergrunderkundung und -bewertung.
Weitere Infos:
Pressekontakt: Eike Bruns, Tel.: 0511 643 2274, Björn Völlmar, Tel.: 0511 643 3010,
E-Mail: presse@lbeg.niedersachsen.de, Internet: http://www.lbeg.niedersachsen.de