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Pelosol – Boden des Jahres 2022


Seit 2005 wird von der Kommission Bodenschutz durch ein Kuratorium der Boden des Jahres ausgerufen. Ziel ist es, das Bewusstsein für Böden und ihre wichtigen Funktionen für Mensch und Umwelt zu stärken und dabei möglichst viele Menschen zu erreichen. Hierzu wird jedes Jahr der Fokus auf einen anderen Boden gelenkt. Im Jahr 2022 soll dies der Pelosol sein.

Böden bilden in der Umwelt ein wesentliches Bindeglied zwischen Klima und Wasserhaushalt. Sie sind zudem auch Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere und damit Grundlage für die Biodiversität. Als Standort für die land- und forstwirtschaftliche Produktion dienen die Böden zudem unmittelbar dem Menschen.

Als Fachbehörde für Bodenschutz arbeitet das LBEG daran, das gesellschaftliche Bewusstsein für diese wichtige Lebensgrundlage zu verbessern und unterstützt die Initiative deshalb ausdrücklich.

Pelosol – Der besondere Boden aus Ton

Der Name dieses Bodens ist Programm: Das namensgebende Wort Pelos (griechisch für Ton) deutet darauf hin, dass dieser Boden wesentlich durch Ton und dessen Eigenschaften geprägt wird. Auch ein besonderer Prozess (die Peloturbation) und ein nur für diesen Boden verwendeter Horizont (P-Horizont) sind Besonderheiten der Pelosole.

Ton bildet die kleinsten Mineralpartikel in Böden. Die darin enthaltenen Tonminerale sind dünn geschichtet und einige können in diesen feinen Poren Wasser aufnehmen und aufquellen. Beim Austrocknen verlieren sie hingegen an Volumen und es bilden sich Risse im Boden (s. folgende Abbildungen). Dieses Quellen und Schrumpfen führt zu intensiver Veränderung und Vermengung des tonigen Gesteins - wie in einer Knetmaschine vor dem Töpfern. Das entstehende Bodenbild mit Polyedern oder auch prismenförmigen Gebilden mit senkrechten Schrumpfrissen wird von Bodenkundlern als Pelosol beschrieben. Durch das Quellen und Schrumpfen kann Material von oben in die entstehenden Schrumpfungsrisse gelangen und in den Boden eingearbeitet werden. Dieser Durchmischungsprozess wird Peloturbation genannt und führt zur Benennung der charakteristischen P-Horizonte der Pelosole.

Schrumpfungsrisse - Peloturbation   Bildrechte: LBEG

Schrumpfungsrisse (im rötlichen Bereich) in einer Pelosol-Braunerde (links), einem kolluvial überdeckten pseudovergleyten Pelosol (Mitte) und einem Pseodogley-Pelosol (rechts).

Fotos: links: Stadtmann, Mitte: Mattner, rechts: Evertsbusch (LBEG).


P-Horizont, Aggregatflächen   Bildrechte: LBEG

Wurzeln entlang der Aggregatflächen eines P-Horizonts.

Fotos: Mattner (LBEG).


Schrumpfungsrisse   Bildrechte: LBEG

Blick von oben auf die freigelegten Schrumpfungsrisse eines tonigen Bodens.

Foto: Stadtmann (LBEG).


Quellen die Tonböden auf, werden sie zunehmend undurchlässiger für Wasser, welches sich deshalb auf dem Ton staut. Dadurch sind die Pelosole sehr eng mit Stauwasserböden (Pseudogleyen) verbunden. Diese Staunässe kann zwischenzeitlich also für sehr nasse Verhältnisse sorgen, wohingegen bei Austrocknung sehr trockene Bedingungen vorliegen können. Bei der Bearbeitung gilt es den optimalen Zeitpunkt abzupassen - der Zeitraum einer möglichen Bearbeitung ist sehr kurz: Pelosole werden deshalb auch als Minutenböden bezeichnet.

Pelosol - Profilbilder   Bildrechte: LBEG

Profilbilder des Pelosols mit Horizontbebeichnungen und Detailaufnahmen (S = Staunässehorizonte).

Aus: Gehrt et al. 2021, GeoBerichte 40.



Wo finden sich Pelosole in Niedersachsen?

Die Verbreitung der Pelosole in Niedersachsen ist in der Bodenkarte von Niedersachsen (BK50) dokumentiert.


In Niedersachsen entwickeln sich P-Horizonte vorwiegend aus Tonsteinen des Oberen Buntsandsteins, des Unteren und Mittleren Juras sowie der Unterkreide. Voraussetzung ist, dass die tonigen verwitterten Gesteine oberflächennah liegen und damit direkt mit der Witterung im Kontakt stehen. Oftmals sind die Pelosole erst entstanden, nachdem durch Bodenerosion die sie überlagernden schluffreicheren Deckschichten erodiert wurden.

Im Bördenvorland sind Pelosole regional sehr verbreitet (Schaumburger Land, Hämelerwald, südlich des Mittellandkanals bei Sehnde, Ostbraunschweigisches Hügelland zwischen Braunschweig und Wolfsburg). Im Bergland sind sie dagegen kleinräumig an Erosionslagen gebunden. Ein größeres Verbreitungsgebiet findet sich zwischen Stadtoldendorf und dem Süden von Holzminden. Insgesamt sind die Pelosole in Niedersachsen eher seltene Böden. Eine Besonderheit sind die sehr selten auftretenden Pelosol-Tschernoseme oder Tschernosem-Pelosole in der Umgebung von Schöppenstedt im Landkreis Wolfenbüttel.

Literaturhinweise zu diesem Text finden Sie in unserem Erläuterungsheft zur Bodenkarte 1:50.000 (BK50), das als GeoBericht 40 veröffentlicht wurde.
Verbreitung der Pelosole in Niedersachsen   Bildrechte: LBEG

Verbreitung der Pelosole in Niedersachsen.

Aus: Gehrt et al. 2021, GeoBerichte 40.


Wie werden Pelosole genutzt?

Pelosole zeigen häufig eine für die Bewirtschaftung ungünstige geringe Luftkapazität und einen geringen Anteil pflanzenverfügbaren Bodenwassers, da das Wasser in den feinen Poren sehr stark gebunden wird. Pelosole sind aufgrund ihres hohen Tongehaltes v.a. im nassen Zustand zudem empfindlich gegenüber Bodenverdichtung. Pelosole werden in Niedersachsen am häufigsten zu etwa gleichen Anteilen als Acker- und als Laubwaldstandorte genutzt. In geringeren Anteilen kommen auch Grünlandnutzung, Nadelwald und sonstige Nutzungen vor.

Landbeckung / Nutzung

Arealgröße [ha] gerundet

Acker

11000

Grünland

2700

Laubwald

9000

Nadelwald

1500

Sonstige

2000

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Ernst Gehrt

Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
Stilleweg 2
30655 Hannover
Tel: +49-(0)511-643-3601
Fax: +49-(0)511-643-533601

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