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Ehemalige Bohrschlammgrube Victorbur im Landkreis Aurich: LBEG will zügige Sanierung ermöglichen

Positiv wird im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Ankündigung der Neptune Energy Deutschland GmbH aufgenommen, zwei Becken der ehemaligen Bohrschlammgrube Victorbur in der Gemeinde Großheide (Landkreis Aurich) zu räumen. „Wir begrüßen das geplante Vorhaben des Betreibers“, sagt LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier. „Damit geht Neptune Energy einen deutlichen Schritt weiter als die 2019 vereinbarten Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers“, so Mühlenmeier.

Die von 1963 bis 2006 betriebene Bohrschlammgrube steht noch unter Bergaufsicht und befindet sich in der sogenannten Nachsorgephase. Seitdem die Bohrschlammgrube mit ihren sieben Becken seit Ende 2017 in der Schutzzone IIIB des Trinkwasserschutzgebietes „Marienhafe-Siegelsum“ liegt, wird das Grundwasser im unmittelbaren Umfeld noch engmaschiger überwacht. Dabei wurden vermehrt erhöhte Chloridwerte gemessen. Zudem wurden vergangenes Jahr noch weitere Parameter bei den vierteljährlichen Messungen mit in die Untersuchungen aufgenommen, so dass neben organischen Schadstoffen (MKW, PAK, BTEX) bei den vierteljährlichen Messungen beispielsweise auch Arsen, Blei, Quecksilber, Bromid und Uran beprobt wurden. Auffällig waren bei den untersuchten Schwermetallen jedoch nur verschiedene Einzelwerte für Kupfer, Zink, Nickel, Cadmium und Barium, deren Ursache allerdings teilweise auch außerhalb der Anlage liegen kann. Auf Basis dieser Werte wären keine unmittelbaren Maßnahmen zwingend geboten gewesen.

Gemäß dem vereinbarten Maßnahmenplan hat die Neptune Energy Deutschland GmbH im November vergangenen Jahres Rammkernsondierungen in den beiden Becken, die über keine Basisabdichtung verfügen, abgeteuft. Das Unternehmen hat das LBEG als zuständige Aufsichtsbehörde darüber informiert, dass die Analysen erhöhte Chlorid- und Bariumgehalte in den Becken und dem darunterliegenden Boden zeigen. Daher wolle die Neptune Energy Deutschland GmbH die beiden Becken nun ausräumen.

Jetzt soll diese Sanierungsmaßnahme konkret geplant und ein entsprechender Sonderbetriebsplan dem LBEG zur Genehmigung vorgelegt werden. „Grundwasserschutz ist ein zentrales Thema, daher wollen wir unseren Beitrag für eine zügige Umsetzung der Sanierungspläne leisten“, erklärt dazu Carsten Mühlenmeier. „Zudem ist das ein klares Zeichen, die Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung vor Ort ernst zu nehmen“, ergänzt der LBEG-Präsident, der aber auch betont, dass nach wie vor keine Gefahr für Mensch und Umwelt besteht.


Weitere Infos:

· Die Bohrschlammgrube Victorbur an der Gemeindegrenze von Großheide nach Südbrookmerland wurde ab 1962 von der Preußischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (PAG) errichtet. Von 1963 bis 2006 wurden dort rund 42.000 Kubikmeter Ton-Süß- und Ton-Salzspülung sowie Wasser mit Spülungsresten aus der Reinigung von Spülungstanks der Bohrung Victorbur Z1 eingelagert. Sie besteht aus sieben Becken, von denen zwei abgedeckt sind, eines geräumt und eines rekultiviert ist und ein Flachwasserbiotop bildet. Heutiger Betriebsführer ist die Neptune Energy Deutschland GmbH.

· Bei der Förderung von Kohlenwasserstoffen (Erdöl und Erdgas) war es lange Zeit gängige Praxis, Bohrrückstände, sofern sie nicht sofort verwertet wurden, in Bohrschlammgruben abzulagern. Nach Betriebsende wurde entschieden, wie der Standort wieder nutzbar gemacht werden konnte (Entfernung des Bohrschlamms, Sanierung der Grube, Verbleib des Bohrschlamms an Ort und Stelle mit Rekultivierung etc.).

· Derzeit stehen noch 40 Schlammgruben unter der Bergaufsicht des LBEG. Bei einigen dieser Flächen ist ein Rückbau durchgeführt worden, es findet noch eine Überwachung im Rahmen der Nachsorgephase statt. Bei anderen Anlagen wird das Genehmigungsverfahren für den Abschluss vorbereitet, befindet sich im Verfahren oder ist bereits abgeschlossen.

· Für Schlammgruben, die nicht mehr unter Bergaufsicht stehen, wurde 2015 zwischen dem Land Niedersachen und dem heutigen Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) ein Vergleichsvertrag geschlossen, der es ausschließlich den betroffenen Landkreisen ermöglicht, historische Öl- und Bohrschlamm zu untersuchen und dafür Fördergelder zu beantragen. Das Land hat sich dabei mit den betroffenen Landkreisen auf eine Liste von landesweit 473 Verdachtsflächen verständigt.

· Wie ein Oberflächengewässer hat auch Grundwasser eine Fließrichtung. Werden um ein bestimmtes Objekt Grundwassermessstellen abgeteuft, so befinden sich diese im Regelfall in Fließrichtung vor dem Objekt (Anstrombereich) und hinter dem Objekt (Abstrombereich), um Vergleichswerte erhalten zu können.

· Mit den Abkürzungen MKW, PAK und BTEX werden jeweils mehrere Stoffe zusammengefasst. So steht MKW für Mineralölkohlenwasserstoffe, PAK für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und BTEX für die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und die Xylole.

Pressekontakt: Eike Bruns, Tel.: 0511 643 2274, Björn Völlmar, Tel.: 0511 643 3086,

E-Mail: presse@lbeg.niedersachsen.de, Internet: http://www.lbeg.niedersachsen.de

Artikel-Informationen

erstellt am:
13.04.2021

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