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Schaden durch Altbergbau am Brauhausberg in Clausthal-Zellerfeld: Unbekannter Schacht oder Abbau ist Ursache für Tagesbruch

Thomas Finkeldey, LBEG, Gefahrenabwehr, Nachbergbau, Untersuchung, Standfestigkeit, Gebirge, Ausbau, Johannesstollen   Bildrechte: LBEG/Eike Bruns
Thomas Finkeldey, beim LBEG für Gefahrenabwehr im Nachbergbau zuständig, untersucht die Standfestigkeit von Gebirge und Ausbau im Johannesstollen.

Vergangene Woche war es in der Nacht von Donnerstag zu Freitag zu einem Tagesbruch am Brauhausberg in Clausthal-Zellerfeld gekommen. Zwischen zwei Häusern hatte sich ein rund drei mal drei Meter großes und ein Meter tiefes Loch aufgetan. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat sich unverzüglich auf die Suche nach der Ursache begeben, zumal derzeit in nur wenigen Metern Entfernung untertätig der Johannesstollen saniert wird. Allerdings erweist sich der historisch bedeutsame Wasserlösungsstollen in rund 20 Metern Tiefe als nach wie vor standsicher.

„Wir können ausschließen, dass unsere Bauarbeiten Ursache für den Tagesbruch sind“, sagt Thomas Finkeldey, der beim LBEG für Gefahrenabwehr im Nachbergbau zuständig ist. „Während der Arbeiten hat es keinerlei Nachbruch gegeben. Der Ausbau wird in die anstehenden Massen eingetrieben. Erst wenn er komplett und sicher abgestützt ist, wird der Ausbau weiter vorangetrieben,“ erklärt er das Sicherheitskonzept.

„Aber wir sind auf der anderen Seite genauso sicher, dass es sich um einen Schaden aufgrund von Altbergbau handelt“, ergänzt Thomas Finkeldey. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich an der Stelle, an dem der Schaden entstanden ist, ein Schacht oder gar ein Abbau befunden hat. Aufzeichnungen dazu existieren allerdings nicht. Zum Zeitpunkt des Schadens war der Stollen bis kurz vor die spätere Schadensstelle aufgefahren worden, und ein Schuttkegel lag im Stollen. Wann diese Massen in den Stollen hereingebrochen sind, ist nicht bekannt. Sie liegen dort wahrscheinlich schon Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Mit Entstehen des Tagesbruchs sind mehrere 10.000 Liter Wasser in den Johannesstollen eingedrungen. Ursache dafür war eine gebrochene Wasserleitung. Schnell war durch das Eindringen der Wassermassen klar, dass an der Stelle ein alter Schacht oder ein nach zu tage durchgebauter Abbau liegen muss.

Durch den Schaden waren Ver- und Entsorgungsleitungen eines der Häuser gebrochen, die derzeit von den Stadtwerken Clausthal-Zellerfeld wieder grundhaft instandgesetzt werden. Die nachlassende Dichtigkeit der Leitungen und die niederschlagsreiche Witterung der vergangenen Woche dürften das Entstehen des Schadens befördert haben. „Der Tagesbruch wäre in den kommenden Jahren so oder so entstanden“, sagt Thomas Finkeldey. Dass es einen zeitlichen Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten am Johannesstollen gibt, sei ein Zufall, wenngleich ein glücklicher. So haben die Bergbauexperten gleich die Gewissheit, dass der unter dem Haus verlaufende Stollen standsicher ist. Sowohl das umgebende Gebirge als auch der Ausbau zeigen sich sehr solide.

Nach Abschluss der Arbeiten an den Ver- und Entsorgungsleitungen sollen Rammsondierungen Aufschluss über die Ausdehnung des potenziellen Bruchbereiches geben, damit dieser dann stabilisiert werden kann. Auswirkungen auf den Johannesstollen können dabei vermieden werden.


Weitere Infos:

· Abbau ist der Raum, der entsteht, wenn Gestein oder Mineralien aus einer Lagerstätte gelöst werden

· Ausbau ist das System, mit dem ein Grubenbau gesichert wird – etwa durch Stahlträger

· Gebirge ist das feste Gestein, in dem Grubenbaue verlaufen

· Grubenbau ist der Oberbegriff für alle Hohlräume in einem Bergwerk

· Schächte sind im Wesentlichen senkrecht verlaufende Grubenbaue etwa zum Fördern oder Befahren von Bergwerken

· Stollen sind im Regelfall waagerecht verlaufende Gänge in Bergwerken

· Tagesbruch ist ein durch Bergbau entstandener Schaden der sich auf die Tagesoberfläche auswirkt

Pressekontakt: Eike Bruns, Tel.: 0511 643 2274, Björn Völlmar, Tel.: 0511 643 3086,

E-Mail: presse@lbeg.niedersachsen.de, Internet: http://www.lbeg.niedersachsen.de

Artikel-Informationen

erstellt am:
18.03.2021

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