Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie klar

Moor und Torf

Moore sind lebende Ökosysteme. In ihnen wird organische Substanz akkumuliert und zu Torf umgewandelt. Wenn die Torfschicht mindestens 30 Zentimeter Mächtigkeit erreicht hat, handelt es sich im geologischen Sinne um Moore.

Zwei Moortypen werden unterschieden: Nieder- und Hochmoore. Niedermoore bilden sich auf stauendem Untergrund bei Wasserüberschuss, durch das Verlanden stehender Gewässer und im Überschwemmungsbereich von Wasserläufen. Sie sind nährstoffreich. Hochmoore entstehen oberhalb des Grundwassereinflusses und werden nur durch nährstoffarmes Regenwasser gespeist. Sie weisen eine artenarme, spezialisierte Vegetation auf, die hauptsächlich aus Torfmoosen besteht.

Torfe entstehen in Mooren durch absterbende pflanzliche Substanz, die sich unter Luftabschluss nur unvollständig zersetzt. Durch Entwässerung stellen die Torfmoose ihr Wachstum ein. Zurück bleiben die teilweise mächtigen Torflagerstätten. Auch die kultivierten Moore gehören dazu.

Gebiete mit Hochmoortorf-Lagerstätten  
Gebiete mit Hochmoortorf-Lagerstätten

Verbreitung und Nutzung von Mooren und Torf in Niedersachsen

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Hochmoore, da überwiegend Hochmoortorfe abgebaut und genutzt werden. Niedermoortorfe werden in geringen Mengen für balneologische Zwecke (Badetorf) verwendet.

Niedersachsen verfügt mit etwa 2.500 Quadratkilometern über die größten Hochmoorflächen in Deutschland. Die letzte Moorinventur erfolgte bis Ende der 1970er Jahre, sodass durch landwirtschaftliche Nutzung der Torfverzehr (Oxidation, Humifizierung) stark zugenommen hat und die Gesamtfläche durch Umbruchmaßnahmen und durch Torfabbau bis heute zurückgegangen ist.

Nutzung der Moore  

Ungefähr zwei Drittel der Hochmoorfläche Niedersachsens werden landwirtschaftlich genutzt. Rund 12 Prozent der Fläche werden durch die Torf- und Humuswirtschaft zur Rohstoffgewinnung abgebaut. Die abgetorften Flächen werden nach den Zielen des Moorschutzprogramms wiedervernässt und renaturiert. Dafür müssen mindestens 50 Zentimeter starke Resttorfschichten zurückbleiben.

Jährlich werden durch die Torf- und Humuswirtschaft rund 8 Millionen Kubikmeter Torfprodukte für gärtnerische Zwecke produziert. Die Torfkultursubstrate werden aus Weißtorf (schwach zersetzte Torfe) und Schwarztorf (stark zersetzte Torfe) hergestellt. Die Weißtorfvorräte sind in Niedersachsen weitgehend erschöpft. Rund 1,8 Millionen Kubikmeter werden deshalb vor allem aus den baltischen Ländern nach Deutschland importiert und in Erdenwerken verarbeitet.

Wie die folgende Übersicht zeigt, kann Torf in wenigen Verwendungsbereichen zum Teil durch andere Stoffe ersetzt werden. Im Erwerbsgartenbau ist Torf nach wie vor nicht zu ersetzen.

Verwendungsbereich Anteil Substitutionsmöglichkeiten
Erwerbsgartenbau 60 % Fast keine, aus Gründen der Produktsicherheit
Hobbygartenbau 20 % Zur Zeit 10 - 20 % durch Kompost
Industrie (Aktivkohle) 15 % Teilweise durch Braunkohlekoks/Kokos
Sonstiges (Balneologie, Champignonzucht u.a.) 5 % keine
Schematisches Profil durch ein lebendes Hochmoor  
Schematisches Profil durch ein lebendes Hochmoor

Moor und Torf - Tätigkeiten des LBEG

Das LBEG übernimmt sowohl bei der Kartierung von Mooren und Torfvorkommen als auch bei ihrer möglichen Nutzung wichtige Aufgaben.

Die Moorkundler des LBEG untersuchen alle Moore (Nieder- und Hochmoore) Niedersachsens mit mehr als 200 Metern Durchmesser. Erfasst und ausgewertet werden unter anderem Schichtaufbau, Mächtigkeiten und Möglichkeiten zur Nutzung, wie z. B. Torfabbau und Renaturierung. Zur Zeit wird eine Revision der Hochmoorlagerstätten bearbeitet, um die Veränderungen in Ausdehnung und Mächtigkeit der größten Hochmoorkomplexe aufzunehmen.

Sämtliche Untersuchungsergebnisse werden vom LBEG dokumentiert und archiviert. Nach der Auswertung stehen sie den Auftraggebern und der Öffentlichkeit in Form von Berichten, Gutachten, Karten und Publikationen zur Verfügung. Auch werden Beratungen vor Ort durchgeführt.

Vom LBEG werden Stellungnahmen zur landwirtschaftlichen Nutzung, wie auch zu Abbauanträgen, Wiedervernässung und Renaturierung nach Torfabbau und zu Plänen der Landes-, Regional- und Bauleitplanung (Rohstoffsicherungsplanungen) erstellt.

Torfgewinnung im Borsteler Moor

Torfgewinnung im Borsteler Moor

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Gerfried Caspers

Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
Stilleweg 2
30655 Hannover
Tel: +49-(0)511-643-3612
Fax: +49-(0)511-643-533612

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