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LBEG veröffentlicht 3D-Untergrundmodell: Erster Teilbereich zeigt den Nordwesten Niedersachsens

Die Karte zeigt zweidimensional das 3D-Modell, auf dem die tiefen Untergrundrinnen deutlich in Blau zu erkennen sind.   Bildrechte: LBEG [Aspen SKUA® V14.5; Landesfläche von Niedersachsen 1:250.000 ©GeoBasis-DE / BKG 2015 (Daten verändert)]
Das LBEG hat jetzt für den Nordwesten Niedersachsens das Teilmodell der Quartärbasis veröffentlicht, auf dem in Blau die subglazialen Rinnen deutlich erkennbar sind.

Die Kaltzeiten der vergangenen Jahrhunderttausende haben den Untergrund Niedersachsens maßgeblich geprägt. In dieser Zeit, dem Quartär, sind durch Schmelzwasser unter dem Gletschereis tiefe Rinnen entstanden, in denen sich wertvolle Rohstoffe wie Kies, Sand und Ton abgelagert und Grundwasservorkommen gebildet haben. Um diese geologischen Strukturen zu verstehen und für die Nutzung verfügbar zu machen, erstellt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) derzeit ein landesweites dreidimensionales Modell der Basis des Quartärs und hat jetzt einen ersten Teilbereich veröffentlicht. Dieser rund 11.800 Quadratkilometer große Bereich macht etwa ein Viertel der Fläche Niedersachsens aus und umfasst nahezu den gesamten Nordwesten des Bundeslandes.

Vor allem die Elster-Kaltzeit vor circa 320.000 bis 400.000 Jahren hat ein komplexes Netz aus Rinnen hinterlassen, die sich unter dem Eispanzer gebildet haben, der damals große Teile Niedersachsens überdeckt hat. Diese sogenannten subglazialen Rinnen haben sich zum Teil mehr als 400 Meter tief in ältere Sedimentschichten eingeschnitten. Die genaue Kenntnis ihrer Lage und Ausdehnung ist nicht nur für das Wissen um Grundwasservorkommen und die Rohstoffgewinnung wichtig. Die Tiefenlage der Quartärbasis ist auch bei der Planung von Bohrungen, beispielsweise für die Gewinnung von Erdwärme, von großer Bedeutung.

„Um das 3D-Modell zu erstellen, werten wir eine Vielzahl von Daten aus“, sagt Janine Meinsen, die das Projekt beim LBEG betreut. Die Datengrundlage sei dabei sehr gut, aber durch die große Menge auch eine immense Herausforderung. Allein rund 451.000 Bohrungen der vergangenen Jahrzehnte stehen landesweit zur Auswertung zur Verfügung. „Hinzu kommen tausende 2D- und hunderte 3D-seismische Daten, die aus der jahrzehntelangen Suche nach Öl und Gas in Niedersachsen stammen und jetzt wertvolle Hinweise für viele Fragestellungen geben“, erklärt die Geowissenschaftlerin. Auch Informationen aus bereits verfügbaren geologischen Profilschnitten, regionalen 3D-Modellen und Karten wurden für die Auswertung verwendet. Grundlage für das neue 3D-Modell bildet die Isolinienkarte zur Quartärbasis von Hans Kuster und Klaus-Dieter Meyer aus dem Jahr 1995. Diese deckt zwar bereits nahezu alle Landesteile ab, allerdings in dem relativ groben Maßstab 1:500.000 und auf dem Kenntnisstand der damaligen Zeit.

„Durch die Integration der vielen neuen Daten können wir die subglazialen Rinnengeo­metrien im Vergleich zu den bisher bekannten Daten von 1995 deutlich höher und präziser auflösen“, so Janine Meinsen. „Insbesondere in Bereichen, in denen wir qualitativ hochwertige Seismikdaten auswerten können, identifizieren wir bislang unbekannte Rinnen und ermitteln neue Erosionstiefen.“

Der jetzt veröffentlichte Teilbereich ist auf dem NIBIS®-Kartenserver des LBEG abrufbar. Dabei ist es möglich, die Daten sowohl als zweidimensionales Raster als auch mithilfe eines 3D-Viewers selbst interaktiv zu erkunden. Zudem stellt das Landesamt die Modelldaten samt umfangreicher Dokumentation auf Anfrage unentgeltlich zur Verfügung. Damit steht das 3D-Modell der Quartärbasis von Niedersachsen nicht nur Fachleuten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Behörden als Unterstützung für ihre Arbeit jederzeit zur Verfügung, sondern auch allen anderen Interessierten.

Das LBEG führt die Modellierung fort und wird die weiteren Modellkacheln schrittweise veröffentlichen. Dabei werden die Modelle mit den Daten der angrenzenden Bundesländer und der Niederlande abgestimmt.

Weitere Infos:

Pressekontakt: Eike Bruns, Tel.: 0511 643 2274, Björn Völlmar, Tel.: 0511 643 3010,

E-Mail: presse@lbeg.niedersachsen.de, Internet: http://www.lbeg.niedersachsen.de

Artikel-Informationen

erstellt am:
21.04.2026

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